Samstag, 25.10.2014

Ein Monat nun...

Ein Monat…

So lange ist es her, dass ich in Israel gelandet bin. So lange ist es her, dass ich meine liebsten Eltern, mein Bruderherz und viele meiner lieben Freunde das letzte mal, wenn man skype nicht mitzählt, gesehen habe. Doch einer ist plötzlich aufgetaucht und hat meinen langsam beginnenden Alltag komplett über den Haufen geworden, meine letzten 9 Tage bestimmt und zu einer wundervollen Zeit gemacht. Mein Freund hat kurzer Hand beschlossen gehabt mich zu überraschen und das ist ihm auch gelungen! Nichts ahnend saß ich bei der Arbeit und plötzlich kommt Felix durch die Tür spatziert! Mir fehlen selten die Worte. In dem Fall war ich wie ein Fisch, der auf dem Trockenem liegt und vergeblich versucht nach Luft zuschnappen.  Am nächsten Tag wurde Felix dann auch gleich auf ein Konzert von the Angelcy und Ariel Zilber, ein Israelischer Star für Groß und Klein, geschleppt, wo er dann mal gleich meine ganzen Arbeitskollegen und Volontäre kennen gelernt hat. Die nächsten Tage musste ich dann leider noch arbeiten, bis ich endlich frei bekommen habe, um mit ihm ein bisschen zu reisen. Wir waren am toten Meer und in Jerusalem, also die Orte, wo ich schon war, aber es war nochmal was vollkommen anderes. Der tiefste zugängliche Punkt der Erde ist für mich zu einem unvergesslichen Ort geworden. Wir haben auf einem Campingplatz gezeltet, mit einem Zelt, was wir in unserer Wg gefunden haben. Das Zelt bestand nur noch aus dem Innenzelt und zwei Stangen, wovon eine auch schon kaputt war. Mit keinem anderen wäre es so egal, viel mehr lustig gewesen, besonders als dann ein ziemlich heftiger Sturm kam und das Zelt platt gepustet hat, gefolgt vom kurzen aber sehr nassem Regenschauer. Unser Einkauf für den Trip bestand aus 5 Pitas, Humus, Dosenmais und einem Sixpack Bier. Aus diesen kärglichen Erwartungen entsprang dann aber doch noch unverhofft ein reichhaltiges Abendessen, da ein Irsaeli und ein Estländer (?) uns mit zum Einkauf ins anliegende Kibutz nahmen und abends dann großzügig ihr Essen mit uns teilten. Die Wanderung im Ein Gedipark, die Bäder im toten Meer, die Atmosphäre, die halsbrecherische Rückfahrt, bei der wir den Fehler machten ganz vorne im Bus zu sitzen und bei jeder Kurve mitzuerleben, wie eng es zwischen Reifen und Abgrund oder anderen Gegenständen war, Jerusalem…. Es waren wieder Tage, die ich nicht vergessen möchte! Die restliche freie Zeit haben wir dann für Tel Aviv und den Strand genutzt, sind rumgeschlendert, haben eine sehr schöne Bar oben auf einer Terrasse gefunden, waren baden und haben einfach das miteinander genossen. Die neun Tage sind schneller vergangen als ein einziger Tag in den letzten drei Wochen davor.

Auffällig jedoch ist, dass ich diese mir so verhasste Erklärung und Rechtfertigung für israelische Eigenheiten „Das ist so typisch Israel“, selber angenommen habe. Zu allem was einem hier komisch oder anders vorkommt: „ Das ist so typisch Israel“. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen, dass ich langsam diese Dinge nicht mehr nur hinnehme, sondern auch akzeptiere und lerne damit zu leben. Aber ich muss mir diese Phrase dringend wieder abgewöhnen.

Ansonsten muss ich mich jetzt wieder an den Alltag hier gewöhnen. Bei der Arbeit gestern ist direkt erstmal eine von den friends ausgerastet und hat mir, als ich grade Hilfe am herbei klingeln war, die Nägel einmal quer übers Gesicht gejagt, eine schmerzhafte Angelegenheit, die gefolgt wurde von nem Ausraster von nem anderen friend, der meine Haare gepackt hat, während ich mir einen Zopf machen wollte, und mir ein Büschel Haare ausgerissen hat. Der Tag war dem entsprechend nicht mein bester. Ich gehe jedoch mit Optimismus ran, auf schlechte folgen immer gute Tage!

In zwei Wochen kommen schon meine nächsten sehnlich erwarteten Gäste, Marte und Svenja und vorher hab ich, wenn ich Glück habe und noch reinkomme ein dreitägiges Seminar in Haifa über religiöse und ethische Minderheiten in Israel…

Ich schicke ganz viel Liebe an alle aus dem 30 Grad heißen Israel

 

Freitag, 10.10.2014

Totes Meer und einige Feststellungen..

Erkenntnisse, die ich in den letzten zwei Wochen gewonnen habe:

-          Israel ist ein wundertolles Land zum Reisen und die wenigen Orte, die ich bis jetzt gesehen habe, machen immer und immer mehr Lust auf das Land

-          Das tote Meer reißt einen im wahrsten Sinne des Wortes von den Füßen

-          Freundlich sind die meisten Israelis, dafür aber nicht im mindesten Höflich

-          Der Verkehr ist schrecklich, besonders in den Sheruts muss man um sein Leben fürchten

-          Mein Gedächnis ist mit dem eines Fisches zu vergleichen

-          40 Jährige Männer sind, auch wenn sie geistig behindert sind, stärker als ich

-          Man gewöhnt sich irgendwann an alles

-          Heimat ist da, wo das Herz liegt

Fangen wir am Anfang an. Sonntag und Montag war ich mit Niclas, Steven ( ein Mitarbeiter von mir und Amerikaner) und zwei israelischen Freunden von ihm am toten Meer. Man braucht wirklich nicht mals drei Stunden von Tel Aviv aus! Am toten Meer angekommen, waren wir im Ingedipark, einem Nationalpark, in dem wir klettern/wandern waren und von der Spritze hatte man einen traumhaften Ausblick. Frei wie ein Vogel, stark wie ein Bär und doch so klein im Vergleich zu dem was um einem herum geschieht… Zwischendurch konnten wir uns immer wieder in den Wasserfällen abkühlen, die auf unserem Weg rauf lagen. Anschließend sind wir ans tote Meer runter, haben gekocht und der Sonne beim Untergehen zugeguckt. Es war wahnsinn, denn man konnte direkt rüber nach Jordanien gucken, wo nach und nach die Lichter angegangen sind und es war warm und es war einer der ersten Momente seit ich hier bin, in denen ich mal richtig durchatmen konnte. Drei Freunde von Steven, die in diesem Park arbeiten, sind dann auch zu uns gestoßen und haben zwei Gitarren, ein Banjo und eine Klarinette mitgebracht und zusammen gejammt. Ich habe ganz fest beschlossen diesem Moment nie wieder zu vergessen, denn die Musik und Atmosphäre waren verzaubernd. Wir wurden eingeladen bei den Freunden zu übernachten, dass wir es ein bisschen wärmer, als in der Wüste gehabt haben. Am nächsten Tag sind wir in ein anliegendes Kibutz gefahren und haben da Pita und Humus in einem sehr schön angelegten Park voll mit Blumen und Palmen gefrühstückt. Als wir dann endlich am toten Meer waren und reingegangen sind, war es kaum zu glauben. Ich dachte immer alle übertreiben, aber das tote Meer reißt einen wirklich von den Füßen. Es ist anstrengender im Wasser grade zu bleiben, denn bei den kleinsten Bewegung wirst du auf den Bauch oder Rücken gedreht! Die anschließende Schlammkur hat vergrabene Kindheitsgefühle wieder aufleben lassen und war eine wahre Wohltat. Insgesamt also ein mega gelungener Trip! Vielleicht fahr ich den kommenden Sonntag bis Monatg wieder weg, diesmal in den Norden, aber noch nicht sicher…

Ständig wird man überall von allen Israelis angequatscht. Alle wollen mit einem reden und einem von ihren Erlebnissen aus Deutschland erzählen und wissen wie einem Israel gefällt und so weiter und sofort. Doch das ganze geschieht nicht, wie man es in Deutschland so häufig erlebt auf eine diskrete und zuvorkommende Art, sondern direkt und ruppig und auch mal über eine zweispurige, dicht befahrene Straße hinweg. In Bussen wird nicht wenn Leute aussteigen wollen Platz gemacht, nein stur beharrt jeder auf seine 10 cm2 Platz und bewegt sich nicht fort. Überall wird man angerempelt, angeraunzt oder in die Hacken getreten, ohne dass man sich entschuldigt. Das ist eben Israel. Die Begründung für alles hier. Eben auch für den Verkehr. Zur Feierabendzeit bewegt sich auf den Straßen garnichts mehr, es startet ein Ohren betäubendes Hupkonzert. Alle fahren so dich auf, dass Stoßstange an Stoßstange stößt und für Krankenwagen und Polizei wird erst recht kein Platz gemacht. Wozu auch?! Die können sich ja wohl hinten anstellen. Die Sherutfahrer, Sheruts sind die Großraumtaxis, die auch am Sabbat noch fahren, sind sowieso alle verrückt. Telefonieren am Steuer ist hier normal. Sms schreiben auch. Vor ein paar Tagen begegnete mir einer, der wärend der Fahrt Doodle Jump spielte und nicht nur das Handy, sondern auch das Lenkrad mitbewegte und so dass das ganze Sherut dem Spiel beiwohnen durfte. Oder Sherutfahrer verteilen für das in sässige Partygesindel Wodkashots und trinken selbst redend auch mit. Nicht umsonst hat Israel eine der höchsten Unfallraten, jegliche Angst vor Bomben und Terrorismus kann man da hinten anstellen.

Bei der Arbeit läufts ganz gut, doch die Sprache stellt klar eine große Barriere da. Immer wenn ich frage was etwas heißt, wird es mir gesagt, ich wiederhole es, spreche es aus, wieder und wieder und nehme mir vor GENAU DIESES WORT nicht zu vergessen, doch fünf Minuten später ist es weg. Einfach weg… Leider wurde ich bei der Arbeit vor ein paar Tagen ziemlich angegriffen von einem der Autisten. Das war nicht ganz so lustig, da ich in dem Moment mit dem allein war und ein 40 jähriger Mann, auch wenn geistig eingeschänkt, mit seiner ganzen Kraft durchaus mir überlegen ist. Es hat mich einige Haare, Schrammen und Tränen gekostet, bis die herbeieilenden Guides den friend von mir losbekommen haben. Danach musst ich mich erstmal beruhigen. Am nächsten Tag war aber schon wieder alles gut und seit dem ist auch nichts mehr so wildes vorgekommen!

Die Wohnung, der Schmutz, meine Mitbewohner, die kurzen Wege, für die man trotzdem mit den Bussen so lange braucht, der Lärmpegel, Spucke von Autisten auf dem Tshirt und andere Flüssigkeiten.. Man gewöhnt sich doch an einiges. Und das schon nach zwei Wochen.

Das einzige bei dem ich mir sicher bin, dass ich mich nicht dran gewöhne, sind die fehlenden Herzensmenschen. Man lernt damit umzugehen, dass man sich nicht wie gewohnt ausdrücken kann, ein völlig anderer Mensch ist und sich mit den Menschen um einen herum zu arrangieren. Doch ich merke immer mehr wie sehr ich Köln liebe und eben die Menschen, die für mich meine Heimat ausmachen. Ich kann mir gut vorstellen irgendwann später mal woanders zu Leben, doch die Bande, die mich mit Köln verweben sind zu stark. Heimat ist nun mal da, wo das Herz schlägt.

 

Freitag, 03.10.2014

Jom Kippur und andere Eigenheiten

Hallo ihr Lieben,

die letzten Tage hatte ich so viel zutun, dass ich nicht die Zeit und Muse dazu hatte von meinen Erlebnissen zu berichten. Nun habe ich ein bisschen was.

Jetzt habe ich vier Tage gearbeitet und Tel Aviv bei Nacht kennen gelernt. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich ganz in die Arbeit reinkomme, doch ich bin zuversichtlich, dass das schneller geht als ich glaube. Langsam lerne ich ein paar Wörter Hebräisch, denn ohne ist die Verständigung mit den Autisten sehr schwer, bis fast unmöglich. Wie wichtig Sprache ist, merkt man erst richtig, wenn einem die Worte fehlen für das, was man sagen möchte, um es dem Gegenüber verständlich zu machen. Die wichtigsten Worte im Kfar sind ja (ken), nein (lo), tov, joffi, kol akavod(?) (was alles so viel heißt wie schön und gut gemacht) zieh deine Hose an (tarim ta michnasajim), jalla (lauf/schneller), boi(komm) und noch ein paar andere. Gestern haben wir einen Ausflug auf den Soldatenfriedhof, der direkt neben dem Kfar liegt, gemacht. Die ganz unterschiedlichen Bedürfnisse von acht friends unter einen Hut zu bringen, war schon nicht ganz leicht, selbst zu dritt. Zwei aus meiner Gruppe sind nämlich blind, einer ist taub, einer rennt immer weg und einer muss jeden Stein aufheben, den er sieht… aber es hat Spaß gemacht! Die vielen Eindrücke und Dinge, die man beachten muss, machen einen ganz schön fertig und nach der Arbeit merkt man erst richtig, wie ausgelaugt man ist. Und trotzdem war ich dann gestern und vorgestern in Tel Aviv feiern. Es waren beides schöne Abende mit interessanten neuen Leuten! Man muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass es Oktober ist und es trotzdem so warm ist, dass man keine Jacke braucht und schon genießt man alles viel mehr. Feiern gehen kann man hier wirklich gut. Die einzigen Sachen, die ein bisschen doof dabei sind, sind einmal, dass man für den Eintritt ca 100 Schekel (20 Euro) zahlt und, obwohl ich nicht mals so blond bin, die ganze Zeit angesprochen und angegafft wird, nur weil man blonde Haare hat… Alle wollen mit einem reden und können teilweise sogar fast aufdringlich werden. Doch man muss das mit Humor sehen und wenn es einem zu viel wird ganz klar nein sagen, dann ist auch das ok.

In Deutschland ist heute Tag der deutschen Einheit, hier hat eben Jom Kippur begonnen. Das ist einer der höchsten jüdischen Feiertage und wenn es am Sabbat auf den Straßen wie ausgestorben ist, so ist es in dem meisten Teilen Israels am Jom Kippur ganz ausgestorben. Es dürfen keine Autos, Busse oder Sheruts fahren, selbst motorisierte Fahrräder, die es hier zu Hauf gibt, dürfen nicht bewegt werden, sonst drohen hohe Geldstrafen. Das Gleiche gilt natürlich auch für alle Geschäfte. Die Juden fasten ab Sonnenuntergang 25 Stunden auf Essen und Trinken. Orthodoxe Juden dürfen auch keine elektronischen Geräte anfassen und kein Sex haben. In Tel Aviv nutzen alle die Gelegenheit und gehen oder fahren mit dem Fahrrad auf die Autobahn und setzen sich da hin oder treffen sich mit Freunden.

In unserer WG sind wir mittlerweile zu fünft, und wie das halt so ist, wenn man willkürlich zusammen gewürfelt wird, sind wir alle ziemlich unterschiedlich. Leon, Niclas und ich kommen aus Köln, JP irgendwo aus Mecklenburg Vorpommern und Alessa aus München. Es fängt bei den ein oder anderen Spracheigenheiten an und macht sich in fast allen Bereichen des Zusammenlebens bemerkbar. Zum Beispiel ist Leon Veganer, Niclas Vegetarier und JP isst kein Obst und Gemüse. Also schon beim Einkauf alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, ist eine kleine Herausforderung. Auch wie wir alle mit Heimweh, oder eben auch keinem , umgehen, ist ganz anders. Ich skype zum Beispiel viel mit meinen Liebsten und Niclas hat sich bis jetzt vielleicht zweimal daheim gemeldet. Ich brauche das, mir tut das gut, denn es suggeriert nähe und plötzlich kommen einem die 4300 km nicht mehr ganz so viel vor… Aber wir verstehen uns gut und wie man sich an alles hier gewöhnt, gewöhnt man sich auch an einander und findet einen guten Umgang.

Ab heute habe ich vier Tage frei. Niclas und ich fahren Sonntag und Montag mit ein paar Leuten von der Arbeit ans tote Meer und zelten in der Wüste, darauf freu ich mich schon sehr! Wenn ich wieder da bin, werde ich berichten wie es war und hoffentlich das ganze mit ein paar Bildern veranschaulichen können.

Heute Nacht werde ich hoffentlich das erste mal lange und ruhig schlafen können, denn es gibt keinen Lärm von dauerhupenden Autos und quietschenden Reifen, die einen unsanft aus dem Schlaf reißen können! Also euch einen schönen Jom Kippur und Lehaim!

 

Montag, 29.09.2014

Fortschritte und erster Besuch im Kfar

Mal schauen wie lange ich es durchhalte so regelmäßig zu schreiben, aber jetzt grade am Anfang wo so vieles so neu ist, hilft es mir selber auch alle Eindrücke zu verarbeiten..

Heute war dann auch mein erster Arbeitstag. Also mehr oder weniger, mir ist das Heim, namens Kfar Ofarim, gezeigt worden und mein Haus und dann war ich ein bisschen da und hab Nadja, die schon seit nem Jahr da arbeitet als Freiwillige, ein bisschen begleitet. Das Kfar besteht aus acht Häusern, wo jeweils 8-9 Autisten wohnen. Obwohl auch einige nicht autistische da sind, die einfach irgendwann mal als autistisch abgestempelt wurden und seit dem da leben. Die Autisten werden hier im übrigen „friends“ genannt. Der älteste friend ist 60 und damit der älteste Autist Israels. Die Mitarbeiter, die ich heute kennen gelernt habe, sind auch alle auf den ersten Eindruck sehr nett, können gut englisch und sind wie alle Israelis sehr hilfsbereit. Und rauchen alle sehr, sehr viel.. Ich kann mir gut vorstellen, dass mir die Arbeit mit den friends viel spaß machen wird, denn viele von denen sind super süß mit ihren Ticks und insgesamt wirkt das eh eher wie ne lustige Freakshow. Und das ist ganz positiv gemeint, es ist super schön zu beobachten wie die Arbeiter mit den friends umgehen: Es ist eine sehr körperliche und ungezwungene Beziehung. Autisten und Mitarbeiter umarmen sich, nehmen sich an die Hand, geben sich sogar Küssen (nicht alle natürlich, aber einige die eine starke Bindung haben). Natürlich gibt es auch die andere Seite, dass die friends die Mitarbeiter schlagen, beißen, pitschen oder sonst wie angreifen, aber ich glaube gerade dadurch kommen diese intensiven Beziehungen überhaupt zu Stande. Man hasst sich und man liebt sich. Auch wenn das eine sehr anstrengende und körperliche Arbeit wird, bin ich echt gespannt darauf und freue mich sogar.

Heute sind auch noch zwei Freiwillige von der anderen WG rüber zu uns gezogen. JP und Alessa, die echt nett sind und beide bereits seit nem Monat in Israel sind. Ein fünfter soll heute oder morgen auch noch ankommen, das weiß aber keiner so genau wann. Das ist auch ganz typisch israelisch, keiner hat wirklich einen Plan oder Durchblick und wenn man was will, muss man 1000 mal nachfragen, eher sich überhaupt etwas in Gang setzt, aber irgendwann funktionierts dann doch, mal mehr, mal weniger. Dafür wird unsere WG immer gemütlicher. Wir haben eine Coutch- und Bettenecke direkt vor einem riesigen Fenster mit super geilem Ausblick und es ist sauberer und langsam werden die Wände was voller mit mitgenommenen Plakaten aus Tel Aviv und einer großen Israelflagge!

Ich denke an alle meine Liebsten in Deutschland und schicke ganz viel Liebe zu ihnen, ich vermisse alle sehr..

Mira

Sonntag, 28.09.2014

Aller Angang ist schwer

Ja so sagen es mir viele Leute... Ich bin nun seit drei Tagen hier und es ist wirklich so. Doch was auch alle sagen: Es wird besser. Und das kann ich mir mittlerweile auch ganz gut vorstellen. Ich fange an zu glauben, dass man hier ein gutes und spannendes Jahr haben kann und irgendwo muss es Gründe geben, dass einige Frewillige aus dem letzten Jahr noch verlängert haben und garnicht von hier weg wollen.

Ich war die letzten Tage viel in Tel Aviv, gestern haben Niclas und ich Charlotte und Leyla getroffen, die mit uns hingeflogen sind und auch einen Freiwilligendienst hier machen, nur in einer anderen Einsatzstelle, einem Rehazentrum.. Das war echt super gut, sich mit denen zu unterhalten und am Strand zu liegen und im Meer baden zu gehen und zu merken, dass man nicht allein mit all seinen Sorgen und Ängsten ist. Heute waren wir auch wieder da, nur zu Beginn mit zwei Freiwilligen aus unserer Einsatzstelle, die 200 Meter weiter wohnen, weil wir uns Handyvertäge gemacht haben. Israelis sind nämlich alle ein bisschen sehr Internet und Handysüchtig, so dass wir Verträge für umgerechnet 12 euro bekommen haben, in denen ne Telefon und smsflat, ne unbegrenzte Internetflat und das kostenlose Telefonieren nach Deutschland inbegriffen sind. Auch ist die Stadt grade dabei in ganz Tel AViv ein komplett freies Wlan einzurichten...Es kann auch mal schnell passieren, dass man sich mit irgendwem unterhält, das Handy klingelt, die dran gehen, 5 Minuten mit dem Handy lautstark quatschen und sich dann mittendrin dir wieder zuwenden, mit dir reden und dann plötzlich wieder mit dem Handy. In den Sheruts, das sind so Großraumtaxis, sind auch alle nur am telefonieren oder schreiben.. Außer dieser kleinen Macke wirken die Tel Avivis aber echt super nett! Es sind insgesammt super nette, offene und Hilfsbereite Leute, die immer für ein nettes Pläuschen offen sind..Das erste was man zuhören bekommt, wenn man sagt man ist aus Deutschland: "OH REALY?! GERMANY IS SO AMAZING; I WAS IN BERLIN!!! I LOVE IT!!!!" und dann erzählen sie einem das Berlin wie Tel Aviv ist und umgekehrt.. zwei Israelis haben mir heute dieses Video gezeigt und waren sich mega am kaputt lachen, ist auch echt ganz witzig, aber es spiegelt sehr den israelischer Humor wieder. Guckts euch mal an! https://www.youtube.com/watch?v=dv6uCizuU_0

Heute war auch richtig was los auf den Straßen! Die Woche ist hier nämlich quasi um einen Tag verschoben, das heißt Samstag, Sabbat, hier, ist wie Sonntag in Deutschland, nur das hier noch weniger geht als in Deutschland, weil keine Busse und so fahren. Der Tag endet mit dem Sonnenunterganz und sofort als die Sonne gestern am Horrizont versunken war, waren die Straßen plötzlich wieder viel belebter und Autos fuhren und so. Das soll in Tel Aviv noch viel harmloser sein wie mir gesagt wurde, in Jerusalem und kleineren Städten außerhalb der Blase Tel Aviv muss das noch viel krasser sein. Hier laufen die Menschen auch bauchfrei und in kurzen Hosen rum, man sieht kaum Kopftücher und Waffen habe ich auch noch keine gesehen. Nur junge Menschen im Militärlook sieht man hier einige...

Morgen habe ich meinen ersten Arbeitstag, Beginn um 14 Uhr... ich bin gespannt wie das wird! Die Wohnung haben Niclas und ich auch heute erstmal gut geputzt und umgestellt, sodass es langsam auch bisschen wohnlicher ist!

Auch wenn ich mir langsam vorstellen kann, warum einige Freiwillige verlängern und hier nicht weg wollen, so ist das für mich keine Option! Ich kann mir vorstellen, das es mir, wenn ich mich eingelebt habe hier gut geht, doch ich weiß nicht ob ich hier wirklich glücklich werden kann und ich vermisse Köln mit all meinen liebsten Menschen dort sehr! Also ist die Idee eher früher als später wieder zurück zu kommen...

Hier noch ein Link von dem Block der lieben Charlotte, oben schon erwähnt, und wie ich finde den ersten Eindruck von Tel Aviv gut zusammen fast und über Dinge berichtet, die ich hier vergessen habe.. schaut doch einfach mal rein :) http://charlottelaviv.wordpress.com/

und noch ein paar Bilder, das meine Worte vielleicht ein bisschen besser nachvollziehbar werden

 

  Der Stand bei viel Welle und mit jeder menge Surfern der ausblick aus unserem Wohnzimmer, von der Wohnung kommen noch  

Sonntag, 28.09.2014

erster tag

Der Bericht ist vom ersten Tag, aber wir haben die letzten Tage hier kein Internet gehabt, deshalb konnte ich den noch nicht hochladen...

Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll.. der Schock, als ich gestern Abend in die Wohnung namens ‚Bilu‘ reingekommen bin, war erstmal groß. Im Eingang standen Müllsäcke, die Klimaanlage war ohrenbetäubend, die Fenster waren mit schäbigen Schieberollläden bedeckt und alles war von Staub und Dreck übersäht… Der erste Eindruck setzte sich dann auch erstmal in den anderen Zimmern fort. In den drei Wochen in denen die Wohnung leer stand wurde hier renoviert. Allerdings heißt das in Israel, dass irgendwelche Arbeiter sich in der Wohnung ein schönes Leben machen und nebenbei ein bisschen streichen. Leider meinten unsere es ein bisschen zu gut und haben nicht nur die Wände, sondern auch die Betten, die winzige Badewanne, in der es mir immer noch ein Rätsel ist, wie man da drin duschen soll, und noch einiges andere mitgestrichen. Niclas ging es glaub ich nicht anders, nur das er keine Miene verzog und ganz cool dabei blieb. Michael, der uns vom Flughafen abgeholt hat und schon seit nem Monat in Israel ist, hat uns dann zu sich mit in die WG genommen, die ähnlich wie unsere ist, nur sauberer und wohnlicher, da im Moment sieben Leute in der WG da wohnen. Wir bleiben erstmal zu zwei in Bilu, bekommen aber in ein paar Tagen noch einen neuen und eventuell auch noch jemanden aus der WG von Michael dazu. Die meisten waren abends schon schlafen, aber die zwei, die noch wach waren, waren echt nett! Ich bin gespannt auf die Arbeit, denn was die drei uns abends erzählt haben, werden die ersten Tage furchteinflößend, bis man sich dran gewöhnt und in den Autisten die liebenswerte und süße Seite zu schätzen lernt. In der Hoffnung am nächsten Tag den Schock verdaut zu haben, bestritt ich meine erste Nacht. Doch die fremden Gerüche, Geräusche und Umgebung haben mich nicht besonders gut schlafen lassen. Das Frühstück viel auch ein bisschen mager aus, da gestern neu Jahr war und alle Geschäfte noch bis morgen abend zu haben. Auf dem Weg zu Müll hat mich dann eine unser neuen Nachbarinnen angesprochen und wollte mir ihnen Tisch und 6 Stühle andrehen, einen Tisch haben wir bereits, aber die Stühle haben wir bekommen. Als Michael und ich die abgeholt haben, wollte die Frau uns gleich noch ihr Fernsehtischen, wir haben keinen Fernseher, ihren Hund und jede Menge Geschirr andrehen. Das Geschirr haben wir auch genommen. Danach hat Michael Niclas und mir Petah Tikwa, der Vorort von Tel Aviv in dem wir wohnen, gezeigt. Viel konnte man nicht sehen, denn es hat ja alles zu. Und ich glaube es wird ewig dauern bis ich mich hier einigermaßen zu Recht finde, weil alles so unglaublich gleich aussieht. Es sieht hier so aus, wie man es aus vielen Fotos aus den Nachrichten kennt, hohe Häuser mit Satelitenschüsseln dran, alle haben ihre Rollläden vor den Fenstern und die Strommasten stehen mitten auf der Straße. Der einzige Unterschied ist, ja das hat Niclas so treffend erkannt, dass die Bomben am Himmel fehlen.

Man merkt in jeder Sekunde, dass man raus aus Deutschland ist und die vielen Eindrücke erschlagen mich und lassen mich in eine ungläubige Schockstarre fallen. Wlanruter funktioniert leider auch nicht, da irgendwer das Stromkabel abgezogen hat. Ich habe mittlerweile von einigen lieben Freunden gehört, dass die ersten Wochen in der neuen Umgebung recht schwierig sind und so langsam glaube ich ihnen. Das man Menschen so vermissen kann, dass es fast körperlich weh tut und dass Heimat einen unglaublich anziehender Sog sein kann, hätte ich mir nie vorstellen können…

Ich hoffe die Orientierungslosigkeit legt sich bald und die Bereitschaft sich einzuleben steigt, denn im Moment ist das eine viel zu groß und das andere viel zu klein. Mal sehen was die nächsten Tage so bringen, später sind wir mit Fiona verabredet in Tel Aviv, damit sie uns ein bisschen zeigen kann, darauf freu ich mich! Doch jetzt erstmal ran an die Arbeit, die Wohnung putzen, putzen und nochmals putzen

Montag, 22.09.2014

Zwischen Raum und Zeit

Heute ist Montag der 22.9.14.

In drei Tagen soll ich nach Israel fliegen. Dort ein neues Leben für eine Zeit angangen. Arbeiten. Reisen. Leben. unvorstellbar!

Eigendlich wollte ich heute mit packen anfangen, doch nachdem ich mir eine Ellen lange Liste geschrieben habe, habe ich, statt sie abzuarbeiten, einen Film geguckt, gegessen und mich möglichst versucht abzulenken, bloß nicht packen! Woher soll ich wissen was ich in den nächsten Monaten brauchen werde? In Köln sind es schon gefühlte Minusgrade und in drei Tagen soll ich schon im heißen und schwitzigen Tel Aviv bei 30 Grad sein. Was soll ich also wirklich einpacken? Leider fällt mir das verzichten auf einen meiner 20 Lieblingspullis auch echt schwer..

Doch nicht nur das Packen steht wie ein riesen Brocken auf meinem Weg nach Israel. Der Arbschied von Familie, Freunden und Freund sind noch viel größer und riesiger. Wirken wie der Mount Everest im vergleich zum Bröckchen packen.... Mir war klar, dass der Abschied nicht leicht werden würde, doch dass ich jetzt schon so darunter leide und so zerissen bin, hätte ich mir nie vorstellen können. Im einen Moment freue ich mich unendlich und denk darüber nach wie meine WG wohl ist und ob ich lieber Früh- oder Spätschicht bei meiner zukünftgen Arbeit im Autistenheim in Ramat Hasharon bei ALUT haben möchte, und im nächsten frag ich mich, wo ich jetzt überhaupt gehen kann, wo hier doch alles so gut ist, mir es so wunderbar geht und ich so wundervolle Menschen um mich habe. Es ist ein ständiges hin und her und der Gedanke, dass es nur noch drei Tage sind bis ich da bin, tröstet mich und stürzt mich gleichzeitig aber in eine riesige Angst wie ich mit Heimweh und Liebeskummer umgehen soll..

Vermutlich bin ich nicht die erste, die dieses Wechselbad der Gefühle erlebt und werde auch nicht die letzte sein. Doch es selber am eigenen Leib zu erfahren überrascht mich. Ich habe mir das gehen irgendwie leichter vorgestellt...

So nun fällt mir langsam aber auch nichts mehr ein,was mich weiter vom packen abhalten könnte.. wird wohl doch mal langsam Zeit. donnerstag rückt unaufhaltsam näher und mit ihm der Abschied, aber auch die riesige Vorfreude auf das was da kommen möge!

Mira

Sonntag, 24.08.2014

Bald geht es los

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.